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Unsere Alpenüberquerung 2012

Startplatz Bad HindelangStartvorbereitungganz oben ......

Am Samstag den 14.01.2012 war es soweit, die Wetterverhältnisse, deren Entwicklung wir die Tage zuvor aufmerksam verfolgt hatten, kündigten ein Fenster mit idealen Fahrverhältnissen an. Außerdem ließen die Prognosen der Langstreckenberechnungen ein Landegelände östlich von Verona erwarten.

Ein wenig Sorgen machte uns der Wind, ob nicht doch Turbulenzen über den Alpenkämmen zu erwarten waren?

Es wurden deshalb verschiedene Wettermodelle geprüft. Die Modelle lagen in ihren Aussagen aber so dicht beieinander, daß mit ausreichend Abstand von den Bergkämmen zwar eine schnelle, aber laminare Strömung zu erwarten war.

Am Morgen des 14.01.2012 fuhren wir früh nach Bad Hindelang, wo noch weitere Teams eine Alpenüberquerung wagen wollten.

Nach einem Briefing mit Michael Noll vom Deutschen Wetterdienst fuhren wir um 07.30 Uhr auf den Startplatz und bereiteten den Start vor.

Wir ließen uns Zeit, prüften und testeten noch einmal sorgfältig unsere Ausrüstung. Da wir bis zur Flugfläche 200 (ca. 6000 m über Meeresspiegel) aufsteigen wollten, hatten wir natürlich auch Sauerstoff mitgenommen.

Alle Instrumente und technische Ausrüstung waren komplett und funktionsfähig.

Mein Bruder Michael rüstet den Ballon auf während Ulli, Susi und ich noch schnell ein stilles Örtchen aufsuchten.     

Als wir nach einigen Minuten zurückkamen stand der Ballon, Michael mein Bruder, hatte gute Arbeit geleistet.

Ulli, seine Frau Susi und ich kletterten in den Korb, wenige Minuten später stiegen wir auf, zunächst in die Gegenrichtung fahrend, dann mit zunehmender Höhe ging es in Richtung Italien mit Bearing (Richtung) von ca. 160 °-165°.

Die Geschwindigkeit nahm rasch zu, während Ulli den Ballon steigen ließ, machte ich den Funkverkehr mit München Information, und gab eine Startmeldung durch. Einen zweiten Ballon nahmen wir ins Schlepptau, und wurden schon bald von München Information an Wien Radar übergeben. Die Verständigung war sehr gut und wir bekamen auch alle Freigaben, so wie wir diese uns wünschten.

Als wir die italienische Grenze in Richtung Gardasee überfuhren, versuchte ich mehrmals die italienische Flugsicherung zu erreichen, dies gelang aber erst, als wir schon eine Stunde über Italien fuhren.

Die Freigaben wurden uns in italienischem Englisch gegeben.  Bei der italienischen Flugsicherung muss man schon Glück haben einen Controller mit guten Englisch Kenntnissen zu erwischen, unserer mischte immer wieder ein paar Brocken Italienisch dazwischen, wir haben`s aber verstanden.  

Die Fahrstrecke führte uns über mehr als 3000m hohe Alpenkämme mit einer Geschwindigkeit von bis zu 135 km/h
Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 121 km/h, wie vorhergesagt.
Schon bald konnten wir den gewaltigen Lago di Garda ausmachen und hatten den russischen Ballon in Sicht, der eine Stunde vor uns gestartet war.
Es handelt sich um einen Nachbau des ersten Raumschiffs, die Boctoc Vostoc, mit dem der erste Kosmonauten Juri Alexejewitsch Gagarin am 12.04.1961 die Erde  in 106 Minuten einmal umrundete, und nach insgesamt 1 Stunde und 46 Minuten landete er im Wolgagebiet bei Saratow.
Zum 50. Jubiläum wurde dieser Ballon gebaut.

Mit Ihren „Spezialenglisch“ hatte es auch die Russen geschafft, wir haben uns köstlich amüsiert!!!
Aber eins muss man den Burschen, und Mädel vom russischen Ballon lassen, fahren können die richtig gut!

Es gehört schon wirklich Mut dazu, mit einer solchen Sonderform die immerhin 350 kg Stoffgewicht hat über die Alpen zu fahren. Ich hab die ganze Mannschaft in mein Herz geschlossen, und hier an dieser Stelle liebe Grüße an Ljudmila Samborskaja und Nikolay Galkin Ihrem Chef-Piloten aus Moskau.

Nachdem wir den Gardasee erreicht hatten, war Verona auch schon in Sicht, wir fuhren noch über Verona in ca. 5000m Höhe hinweg und ließen uns eine Freigabe zum Sinken geben. In ca. 3000 m änderte sich unser Kurs in Richtung Osten nach Venedig. Wir schlossen unseren Flugplan über Funk und stiegen noch weiter ab, die Geschwindigkeit wurde jetzt langsamer. Mit ca. 20-25 km/h fuhren wir in Richtung Venedig bis zur Autobahn A4, wo wir uns einen Landeplatz suchten. Es ist schon gar nicht so leicht in dieser von Obstplantagen und Äckern durchsetzten Gegend eine Wiese zu finden. Aber unsere Geduld hat sich ausgezahlt, in einem Industriegebiet bei San Bonifacio steuerten wir genau die einzige kleine Wiese weit und breit an, und landeten trockenen Fußes.

Am Landeort waren gleich viele neugierige Italiener, mit den ich versucht auf englisch zu sprechen- keine Chance- da legte Ulli seine Hand auf meine Schulter und sagte „lass mal Susi ran“ die ratterte gleich mit italienisch los, dass ich aus dem Staunen nicht mehr raus kam. Schnell war den hilfsbereiten Italienern von Susi klar gemacht was wir wollten, und Sie halfen uns mit, den Ballon einzulegen und abzubauen.

Ein wenig später wurde dann Ulli`s Frau von einem italienischen Ehepaar auf meine Idee hin zu einem Supermarkt mitgenommen, um für unser Landefest Getränke und etwas Essbares zu kaufen.Nach 1,5 Stunden kam Susi zurück, (wir dachten zwischenzeitlich schon Sie sei entführt worden) und war vollgepackt mit Einkaufstüten. Sie wollte gleich noch mal los, so viele schöne Dinge hatte Sie ausgemacht!      
Kurze Zeit später war mein Bruder mit meiner Frau Erika am Landeort, und wir konnten den Ballon für die Heimfahrt auf den Hänger aufladen.

Jetzt begann eigentlich der gefährliche Teil der Reise die Heimfahrt mit dem Auto!
Ich sage immer es ist 100-mal gefährlicher Auto zu fahren als Ballon! 
Der Weg über den Brenner und Fernpass hinter der Zugspitze führt uns zurück nach Tannheim in Österreich, wo wir am Abend um 23.00 Uhr glücklich und zufrieden in unserer Unterkunft ankamen.
Ballontrack                 Âutotrack

Bis bald

euer Rhoenballon - Team

 

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